Was sind die Ursachen eines Burnout?

Was sind die Ursachen eines Burnout?

In den vorherigen Artikeln habe ich über Burnout-Verlauf geschrieben, darüber, wie ein Burnout sich entwickelt, und ich habe mögliche Symptome beschrieben.

Vielleicht fragst Du Dich schon die ganze Zeit, wie es überhaupt so weit kommen kann. Warum bekommen manche Leute einen Burnout und andere, die sich in ein einer ähnlichen Situation oder einem ähnlichen Umfeld befinden, bleiben gesund?

Was sind die Ursachen eines Burnout?

In meinen Coachings stellt sich oft heraus, dass hinter einem Burnout oft enttäuschte Erwartungen stecken; jemand hatte eine Vorstellung, wie das Leben sein wird, die sich nicht verwirklicht hat. Lebenspläne, für die man sich abrackert, die aber, egal wie sehr man sich anstrengt, nicht klappen. Genauso oft stoßen wir in den Coaching-Sitzungen auf alte Glaubenssätze, die man von den Eltern übernommen hat: „Wenn ich mich lang genug anstrenge, dann bekomme ich irgendwann die Belohnung“ oder „Ich muss mich immer erst um andere kümmern, ich selbst darf mir nicht wichtig sein, das wäre selbstsüchtig“. Jemand traut sich auch im schlimmsten Stress nicht Nein zu anderen zu sagen oder um Unterstützung zu bitten, weil man das in der Kindheit so gelernt hat: das geht nicht, das macht man nicht. Was sagen denn da die Leute?

In meiner Ausbildung zum Gesundheitscoach habe ich gelernt: Ein Burnout-Risiko entsteht immer dann, wenn über längere Zeit ein Ungleichgewicht zwischen den „eigenen Ressourcen“, „Anforderungen“ (und zwar sowohl eigene als auch von Dritten im beruflichen und privaten Umfeld)“ und „erlernten Stressbewältigungsmechanismen“ herrscht. Die Burnout-Gefahr steigt also immer dann, wenn über einen gewissen Zeitraum ein Missverhältnis zwischen Einsatz und Erfolg bei ungenügendem Energienachschub besteht.

Oder noch einfacher: Wenn der Stress Deinen Energie-Akku geleert hat, und Du diesen Akku nicht mehr auffüllst, dann brennst Du aus.

Welche Fragen sollte man sich selbst bei einem Burnout stellen?

In meinen Coachingsitzungen geht es dann erst mal um folgende Punkte:

Achtet die Person genug auf sich selbst und ihre Bedürfnisse bzw. ist sie sich ihrer Bedürfnisse überhaupt bewusst,

ist sie zu hohen Erwartungen ausgesetzt ist (Erwartungen Dritter und eigene) oder

hat sie nicht gelernt hat auf eine hilfreiche und gesunde Art mit Belastungen fertig zu werden.

Es kann übrigens auch sein, dass man Erwartungen in seine Mitmenschen hineininterpretiert, die diese überhaupt nicht haben! Man strampelt sich also verzweifelt ab wegen einer vermuteten Erwartung, die das Gegenüber überhaupt nicht hat. Ist das nicht absurd? Und die Erwartungen, die man vermeintlich nicht enttäuschen darf, können auch eigene Anforderungen an sich selbst sein; bist Du selbst oft dein ärgster Kritiker?

Haben Burnout nur Leute mit beruflichem Stress?

Dies ist natürlich nicht auf den beruflichen Bereich beschränkt. Burnout kann auch durch Überforderung im Privatleben entstehen, z.B. bei der Pflege von Angehörigen.

Boreout: Langeweile macht auch krank

Neben Burnout kennt man inzwischen auch das Gegenteil: Boreout. Betroffen sind Menschen, die beruflich zu wenig oder überhaupt nicht gefordert werden und deshalb körperlich oder psychisch erkranken. Boreout ähnelt in seinen Symptomen dem Burnout. Der Stress entsteht hier allerdings nicht durch Überforderung, sondern durch quantitative und/oder qualitative Unterforderung.

Diese Faktoren können Dein Burnout-Risiko erhöhen

Es ist meiner Meinung nach oft falsch, zu behaupten, dass an Burnout allein der Arbeitgeber schuld ist, der sein Personal überfordert. Denn jemand, der ein gesundes Verhältnis zu sich selbst hat, würde irgendwann erkennen, dass sich auf Dauer an der Situation etwas ändern muss, würde Grenzen setzen, für sich einstehen, für Ausgleich und Erholung sorgen. Nach meiner Erfahrung kommen bei Burnout meist innere und äußere Faktoren zusammen, die das Burnout-Risiko eines Menschen erhöhen können – es muss nicht zwangsläufig zu einem Burnout kommen:

individuelle Burnout-Ursacheninstitutionelle Burnout-UrsachenMisch-Formen
PerfektionismusMobbingmangelnde Anerkennung durch andere (Eltern, Partner, Führungskraft)
Ehrgeiz(Zeit-)Druckmangelnde Anerkennung durch sich selbst (z.B. weil man sich unerreichbare Ziele setzt oder die gesetzten Ziele nicht die eigenen sind)
starker IdealismusÜberlastungdas Gefühl, keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben (es reicht das Gefühl, es muss gar nicht der Realität entsprechen)
„Lebensdrehbuch“ gescheitertandauernde Probleme mit Kollegen/Vorgesetztenfehlende Entscheidungsfreiheiten (im Berufs- oder Privatleben)
Verhaltensmuster aus der Kindheit, die nicht hilfreich sind bei Bewältigung von StressLärm
Ängste (davor, zu versagen, nicht gut genug zu sein, nicht geliebt zu werden; vor Verlust des Arbeitsplatzes)permanent widersprüchliche Anweisungen
Zweifel am Sinn der Arbeit bzw. Arbeit entgegen eigenen Wertvorstellungen (ganz wichtig für Hochsensible und Introvertierte)unklare Rollenverteilungen
HochsensibilitätMonotone Arbeit, die einen unterfordert

Ich selbst hatte früher extrem hohe Erwartungen an mich und andere, war eine sehr ehrgeizige Perfekionistin, bin im Job gemobbt worden, stand oft unter Zeitdruck, hatte beruflich eigentlich keinerlei Kontrolle über die Gestaltung meiner Arbeitstage, ich bin hochsensibel und meine Arbeit hat mein Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit meines Tuns in keiner Weise erfüllt. Ich war also die optimale Kandidatin für Burnout und da ich auch eine Kämpferin bin, habe ich so lange gekämpft, bis mein Körper komplett die Reißleine gezogen hat.

Falls Du Dich oder jemanden, der dir nahe steht, hier wiedererkennst, hoffe ich, dass Du spätestens jetzt nachdenklich wirst. Ein erster Anfang auf dem Weg der Besserung können die oben erwähnten Fragen sein. Beschäftige dich damit, hinterfrage dein Tun und deine Einstellungen.

Mehr dazu findest Du auch in meinem nächsten Blog-Artikel, wo es um Auswege aus dem Burnout gehen wird und auch darum, was man als Burnout-Prävention tun kann.

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