Burnout-Verlauf: Der Weg in die Erschöpfung…

Burnout-Verlauf: Der Weg in die Erschöpfung…

Wie verläuft ein Burnout? Im Folgenden werde ich genauer beschreiben, wie sich ein Burnout in den verschiedenen Stadien anfühlt und was ganz typisch für einzelne Phasen ist.

Wie schon im vorherigen Artikel „Burnout: Symptome, Ursachen, Auswege“ geschrieben, entsteht Burnout nicht über Nacht, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum.

Die Burnout-Uhr tickt….

Es gibt mehrere Modelle, um die verschiedenen Phasen eines Burnout zu erklären. Ich persönlich finde die sogenannte „Burnout-Uhr“ gut verständlich: ein Modell mit 12 Stadien, die der Psychologe Herbert Freudenberger entwickelt hat.

Wichtig zu wissen: Die Burnout-Uhr kann auch rückwärts gehen, stehen bleiben oder ihre Geschwindigkeit wechseln. Von Stadium 1 bis Stadium 12 können Monate oder Jahre vergehen; viele Menschen kommen über Stadium 3 glücklicherweise nie hinaus – dann drehen sie die Burnout-Uhr zurück auf Anfang. Burnout verläuft bei jedem Menschen anders – das hier ist nur ein Modell.

Spätestens ab Stadium 8 – 9  sollte man sich unbedingt externe und professionelle Hilfe holen, z.B. beim Hausarzt, Psychiater, Psychotherapeut, Coach.

Burnout-Verlauf
„Burnout-Uhr“-Modell

Der Einstieg in den Burnout beginnt gar nicht so selten mit viel Begeisterung, Idealismus und Energie.

Burnout-Stadium 1-3:

Am Beginn der Burnout-Spirale steht oft eine eigentlich positive Veränderung: eine neue Arbeit oder ein neues Projekt. Es kann aber auch die Geburt eines Kindes oder ein Hausbau sein. Die betroffene Person entwickelt dabei übertriebenen Ehrgeiz oder einen starken Tatendrang. Sie hat den ausgeprägten Wunsch sich zu verwirklichen, erfolgreich und beliebt zu sein. Dabei will sie sich selbst und anderen beweisen, dass sie besonders gut ist.

Motto: „Ich bin der einzige Mensch hier, der das wirklich kann.“ „Ich kann das besser als die anderen.“

Der Wunsch erfolgreich zu sein, ist natürlich erst mal nichts negatives. Gewinnt der Wunsch jedoch zuviel an Dynamik und wird die Verbissenheit zu stark – dann wird der Wunsch zum Zwang, ausgelöst durch übertriebene Erwartungen an sich selbst.

Im Lauf der Zeit (und das können Monate, aber auch Jahre sein) macht man immer mehr Überstunden oder Wochenendarbeit; andere hält man für nicht so gut wie sich selbst, deshalb macht man lieber alles gleich selber.

Für viele Menschen fühlt es sich gut an, sich für unentbehrlich zu halten. Kennst Du das auch?

Dieses Verhalten entsteht häufig aus der Angst die Kontrolle zu verlieren. Sorgfalt, Perfektionismus und Engagement werden zwanghaft. Ebenfalls typisch für diese Phase ist die Unfähigkeit zu delegieren. Man fühlt sich als Held. „Das große Ziel“ hat einen voll im Griff: Keine Zeit mehr für Familie, gutes Essen, Freunde, Haushalt, Sport, Pausen oder kleine tägliche Rituale.

Burnout-Stadium 4-6:

Der Schwung lässt nach, der Energieaufwand für das gleiche Ergebnis steigt. So entsteht ein Teufelskreis: Das Energiedefizit steigt, Ressourcen werden weniger und weniger aufgefüllt, weil das „große Ziel“ alles bestimmt. Man beginnt sich zurückzuziehen, ist dauernd müde, spürt erste körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Magenprobleme, Kopfschmerzen oder Hautirritationen, mancher greift gelegentlich zu Tabletten/Alkohol.

Motto: „Niemand darf wissen, wie es mir wirklich geht“. Und so geht es weiter bergab:

Einziger Maßstab für das Selbstwertgefühl ist nun endgültig der Job/das Projekt/…… Man stumpft emotional ab. Andere betrachtet man als dumm, faul, fordernd oder undiszipliniert. Man merkt nicht mehr, wie schlecht man sich fühlt, verliert das Gefühl für sich selbst. Soziale Kontakte werden unerträglich, man wird zynisch und aggressiv, bekommt einen Tunnelblick. Man ist nicht mehr fähig, wirklich Wichtiges (wie die eigenen Bedürfnisse) von Unwichtigem zu unterscheiden. Man versucht durchzuhalten: „Alles wird besser, wenn …“

Spätestens jetzt bekommt man in der Regel Rückmeldung von nahe stehenden Personen, die diese Veränderung bemerken. Betroffene weisen dies aber meist zurück, sie leugnen alles.

Burnout-Stadium 7-9:

Das eigene Leben besteht nur noch aus Arbeit. Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit nehmen überhand. Im Beruf leistet man Dienst nach Vorschrift, mit stark verringerter Initiative und Produktivität, man hat keine Phantasie mehr, ist unflexibel, eigenbrötlerisch und denkt nur noch „schwarz oder weiß“. Schuld sind immer „die anderen“ oder „das System“.

Betroffene sind inzwischen unfähig zu klaren Anweisungen, komplexere Aufgaben überfordern und man leidet unter Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, vergisst sogar die Namen langjähriger Kollegen. Ich wusste z.B. abends oft nicht mehr, wie ich eigentlich vom Büro nachhause gekommen war. Auf einmal stand ich vor der Garage, aber ich konnte mich nicht an die Fahrt erinnern.

Man fühlt sich von jeder Zuwendung, von jedem Versuch der Unterstützung angegriffen.

Ein früher engagierter und tatkräftiger Mensch hat sich in eine ängstliche, scheue, apathische oder aggressive Person verwandelt, die sich innerlich wertlos fühlt.

Burnout-Stadium 9-12: Hier wird es gefährlich!

Die Existenz beschränkt sich auf ein bloßes „Funktionieren“, man ist nur noch eine „Hülle“. Der Abbau auf körperlicher, emotionaler und kognitiver Ebene verstärkt sich.

ALLES fällt schwer, das Unfallrisiko steigt, man steht vom Schreibtisch auf, um etwas zu tun und weiß dann nicht mehr, was man tun wollte. Man leidet unter starken körperlichen Beschwerden, tiefer Einsamkeit und Verzweiflung. Manche unternehmen verzweifelte Versuche, sich zu betäuben und schnell „aufzutanken“, z.B. durch übermäßiges Essen, Drogen, Aufputsch- oder Schmerzmittel.

Häufig kommt es zu schweren Angstzuständen, weil der Gehirnstoffwechsel total durcheinander ist. Das Gefühl der inneren Leere ist kaum zu ertragen, die Betroffenen fühlen sich nutzlos, ausgezehrt, total am Ende. Drogen oder Medikamente bewirken irgendwann nichts mehr.

An diesem Punkt ist einem einfach alles egal. Die Verzweiflung und die Erschöpfung haben das Ruder vollends übernommen. Ein starkes Symptom ist hier der Wunsch nach Dauerschlaf – erste Suizidgedanken tauchen auf.

Die geistige, emotionale und körperliche Erschöpfung wird im finalen Stadium lebensgefährlich. Häufig bricht dann auch das Immunsystem zusammen, die Betroffenen schlafen nicht mehr oder können sich nicht mehr bewegen. Dieses Stadium ist eine ernsthafte Krise! Coaching allein reicht hier nicht mehr aus. Jemand in diesem Stadium braucht unbedingt medizinische und psychologische Betreuung.

Ein Burnout, der sich bis in Stadium 11 oder 12 entwickelt hat, ist eine solche Extremsituation, dass sie für Menschen, die damit nicht in Berührung gekommen sind, schwer vorstellbar ist. Deshalb habe ich eine kleine „Burnout-Geschichte“ geschrieben, über einen „ganz normalen“ Burnout, um die theoretischen Phasen praktisch zu verdeutlichen. Diese werde ich demnächst hier auf meinem Blog veröffentlichen.

Erkennst Du Dich wieder, warst vielleicht schon mal auf Stufe 4 oder 5?

Du fragst Dich sicher, wie es soweit kommen kann. Mehr zu den Gründen und Ursachen findest Du im nächsten Blogpost zum Thema Burnout.

2 Gedanken zu „Burnout-Verlauf: Der Weg in die Erschöpfung…

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