Kindheitsmuster: Arbeit macht das Leben süß

Kindheitsmuster: Arbeit macht das Leben süß

Warum deine Kindheit vielleicht immer noch dein Leben bestimmt

Während meiner Burnout-Erkrankung habe ich einen sehr interessanten psychologischen Test gemacht, den sogenannten Antreiber-Test. Darin geht es um unsere „inneren Antreiber“. So nennt man alte Glaubenssätze aus der Kindheit, die wir damals von den Menschen übernommen haben, die uns erzogen haben, also bei den meisten vermutlich Eltern oder Großeltern.

Hast du in deiner Kindheit oft solche oder ähnliche Sätze zu hören bekommen:

„Sei schön brav, sonst machst du die Mama ganz traurig. Da muss man sich durchbeißen, du bist doch schon groß und stark. Man muss immer sein Bestes geben. Jungs weinen nicht. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Wenn man sich nicht angestrengt hat, dann hat es keinen Wert. Du musst das allein schaffen. Gut ist niemals gut genug. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ohne Fleiß kein Preis.“

Als kleines Kind übernimmt man solche Gedanken automatisch von den Eltern; schließlich sind die Eltern die Personen, von denen das eigene Überleben abhängt und zu denen man aufsieht, die man liebt und von denen man geliebt werden möchte. Später hat man dies oft so verinnerlicht, dass man sich dessen gar nicht bewusst ist und es somit auch nicht hinterfragen kann. Die Kindheitsmuster sind eine Lebenshaltung geworden. Vermutlich hat fast jeder in seiner Kindheit solche Sätze zu hören bekommen, mehr oder weniger oft. Diese vermeintlichen Weisheiten und die dahinter steckenden Antreiber sind nicht per se schlecht, sie haben auch ihre Vorteile; ich zum Beispiel hätte keinen guten Studienabschluss in Jura geschafft, wenn ich nicht so perfektionistisch veranlagt wäre. Bei manchen beeinflussen diese Kindheitsmuster das Leben als Erwachsene aber noch so stark, dass es negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. So war das auch in meinem Fall.

Das sind die 5 wichtigsten inneren Antreiber:

Sei perfekt!

Mach schnell!

Streng dich an!

Mach es allen recht!

Sei stark!

Falls du dich angesprochen fühlst und gern den Test machen möchtest, habe ich ihn hier für dich hinterlegt:

Der Test beinhaltet 50 Fragen und dauert ca. 10 Minuten; bitte nimm dir ausreichend Zeit und beantworte die Fragen so spontan wie möglich. Es gibt im Internet unter dem Stichwort „Innere-Antreiber-Test“ auch Möglichkeiten, den Test online auszufüllen, falls dir das lieber ist.

Testergebnis auswerten

Bis zu 30 Punkte bei einem einzelnen Antreiber gelten als in Ordnung und leistungsfördernd. Ganz ohne Antreiber wird das Leben nämlich auch schwierig. Bei einer Punktzahl zwischen 31 und 40 muss man damit rechnen, dass das jeweilige Kindheitsmuster eher leistungsbeeinträchtigend wirkt, weil es Stress verursacht und man sich damit unter Druck setzt. Bei über 40 Punkten bei einem einzelnen Antreiber besteht die Gefahr, dass man dadurch langfristig so viel Stress aufbaut, dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann!

Wenn du dein Testergebnis weißt, dann kannst du bei Bedarf bei den stärksten Antreibern ansetzen und daran arbeiten, dass sie dich und dein Verhalten nicht mehr so stark und oft beeinflussen.

Meine Tipps für den Umgang mit stark ausgeprägten Antreibern:

Beobachte, wann diese im Alltag besonders deutlich zum Vorschein kommen. In welchen Situationen spürst du den/die Antreiber ganz besonders? Gab oder gibt es auch Situationen, wo die Antreiber hilfreich sind?

Überlege dir entlastende und für dich passende „Erlaubnis-Sätze“, die du den Antreibern entgegensetzen kannst. Hier ein paar Vorschläge: „Ich darf auch Fehler machen. Es darf auch mal leicht gehen. Ich darf um Hilfe bitten. Pausen sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Um Hilfe zu bitten ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Es ist schlau, sich genug Zeit zu nehmen.“

Schreibe deinen Erlaubnis-Satz bzw. deine Erlaubnis-Sätze an einer Stelle auf, wo du sie regelmäßig siehst (Badspiegel, Computerbildschirm, Handy-Display…).

Beobachte dich und deine Antreiber mit Humor statt Verbissenheit. Immerhin haben deine Antreiber dich im Leben auch weit gebracht, sie wollen dir nicht schaden. So, wie auch deine Eltern für dich sicher nur das Beste wollten, als sie dich erzogen haben. Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, deine Zukunft positiv zu beeinflussen und dir das Leben künftig leichter zu machen.

Es ist hilfreich, wenn man sich seiner inneren Antreiber bewusst ist und diese je nach Bedarf ein- oder ausschalten kann. Bei mir z.B. bedeutet das, dass ich bei meiner Tätigkeit als Juristin sehr engagiert versuche, einen wirklich guten Vertrag zu erstellen; es ist mir inzwischen aber auch klar, dass es keinen perfekten Vertrag geben kann, da man nicht alle Unwägbarkeiten des Lebens voraussehen kann. Bei anderen Tätigkeiten, beispielsweise im Haushalt, erlaube ich mir aber auch mal eine Staubflocke zu übersehen. Auch der Abwasch kann je nach Lust und Laune manchmal bis morgen (oder übermorgen) warten.

Ich selbst hatte bei vier der fünf Antreiber über 40 Punkte, bei zweien sogar fast 50. Ich habe mich unbewusst zu perfekten Leistungen in Höchstgeschwindigkeit angetrieben, und das in allen Bereichen meines Lebens, beruflich und privat. Das hatte sicher einen großen Anteil an meiner Burnout-Erkrankung. Ich war mir vor dem Test keines einzigen meiner Antreiber bewusst. Im Gegenteil, ich hatte mich immer für jemanden gehalten, der für alles lang braucht und dann eher mittelmäßige Ergebnisse abliefert. So kann man sich irren. Ich wiederhole den Antreiber-Test gelegentlich, um zu überprüfen, ob ich wieder in alte Verhaltensmuster zurückfalle oder mir einen neuen Antreiber zugelegt habe.

Zum Schluss noch ein Spruch, den ich im Zusammenhang mit Antreibern sehr inspirierend finde: Die Arbeit läuft dir nicht davon, wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist.

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